Technologie 6. Juni 2023 · 6 Min. Lesezeit

Wie ChatGPT das Lernen von Schülerinnen und Schülern beeinflusst

Der Einsatz künstlicher Intelligenz im Unterricht bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Lehr- und Lernprozess zu fördern und dynamischer zu gestalten.

Jugendliche lernen mit künstlicher Intelligenz

Der Einsatz künstlicher Intelligenz im Unterricht bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Lehr- und Lernprozess zu fördern und dynamischer zu gestalten. Mit dem Aufstieg des Chatsystems ChatGPT bedeutet die Erkundung dieser Vorteile jedoch auch, sich mit verschiedenen Bedenken auseinanderzusetzen, etwa:

  • Könnte der Einsatz künstlicher Intelligenz bei Schülerinnen und Schülern eine Abhängigkeit erzeugen?
  • Was geschieht mit der Entwicklung des kritischen Denkens, wenn Informationen automatisch bereitgestellt werden?
  • Besteht die Gefahr, dass sie die Fähigkeiten und die Erfahrung der Lehrkräfte ersetzt?

ChatGPT im Klassenzimmer: Chancen und Herausforderungen künstlicher Intelligenz

Um diese Fragen zu beantworten, sollten wir uns zunächst daran erinnern, dass im Laufe der Jahre immer wieder Werkzeuge aufgekommen sind, die Lehrkräfte seinerzeit ebenfalls beunruhigten. Heute bedeutet die alltägliche Nutzung von Taschenrechnern und Rechtschreibprüfungen jedoch nicht, dass der Mensch beim Rechnen oder Überarbeiten von Texten völlig außen vor bleiben kann.

Ebenso ersetzen die virtuellen Assistenten von Smartphones oder Internet-Suchmaschinen nicht die menschliche Fähigkeit, Informationen anzufragen und zu recherchieren.

Kommen wir nun zu den Antworten auf unsere Fragen.

Kann ChatGPT bei Schülerinnen und Schülern eine Abhängigkeit fördern?

ChatGPT ist zwar eine große Chance, selbstständiges Lernen zu fördern und die Lernenden zu ermutigen, ihren Bildungsweg selbst in die Hand zu nehmen. Es stimmt aber auch, dass seine einfache Bedienung ohne klare Grenzen zu Abhängigkeit führen kann.

Wie bei jedem digitalen Werkzeug ist es letztlich die aktive Rolle der Lehrkraft, die bestimmt, wie und wann es eingesetzt wird, damit es die Unterrichtsmethoden ergänzt, statt sie zu ersetzen. Einige Empfehlungen dafür:

  • Ein Gleichgewicht finden: Technologie und andere Lernformen lassen sich ausbalancieren, etwa indem festgelegt wird, in welchen konkreten Situationen die Lernenden das Werkzeug nutzen dürfen und in welchen stattdessen Originalität, Analysefähigkeit und gemeinsame Wissenskonstruktion gefragt sind.
  • Andere Quellen fördern: Ebenso wichtig ist es, den Schülerinnen und Schülern weiterhin beizubringen, andere Informationsquellen zu erkunden und zu nutzen, etwa Bücher, Fachartikel, Unterrichtsmaterialien und Interviews.
  • Den physischen Raum nutzen: Auch der Präsenzunterricht lässt sich gezielt nutzen, zum Beispiel mit Debatten und Diskussionen, in denen die Lernenden ihre Standpunkte vergleichen und verschiedene soziale und kommunikative Fähigkeiten entwickeln.

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Lässt sich kritisches Denken in einer Umgebung automatisch bereitgestellter Informationen fördern?

Eines der umstrittensten Themen beim Einsatz künstlicher Intelligenz im Bildungswesen ist die mögliche Hemmung des kritischen Denkens. Diese Befürchtung hängt jedoch auch von der Perspektive ab.

Versteht man ChatGPT als Plattform, deren Antworten wir hinterfragen und bewerten können, lassen sich kritische Fähigkeiten und die Fähigkeit, Informationen zu unterscheiden, gezielt fördern, indem die Lernenden angeleitet werden, die Richtigkeit von Daten zu überprüfen.

Außerdem sollten wir bedenken, dass eine künstliche Intelligenz keine persönliche Perspektive besitzt, mit der sie kritisches Denken nachahmen könnte. Nach Aussage von ChatGPT selbst sind die Hauptgründe dafür: fehlende eigene Erfahrungen, fehlendes Selbstbewusstsein, ein begrenztes Verständnis der menschlichen Welt und die Abhängigkeit von der Programmierung.

Es ist also nicht nur möglich, das Denkvermögen der Lernenden mithilfe von Technologie zu fördern – diese menschliche Komponente bleibt auch weiterhin unverzichtbar für:

  • Reflexion und Analyse
  • Die Bewertung von Verzerrungen und Vorurteilen
  • Fundierte Entscheidungen
  • Kreativität und Originalität

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Ist die Rolle der Lehrkraft durch Technologie gefährdet?

Nach all dem ist klar, dass die Rolle der Lehrkraft in den neuen Lehr- und Lerndynamiken grundlegend bleiben wird, die sich mit künstlicher Intelligenz entwickeln.

Auch die traditionelle Rolle der Lehrkräfte behält ihre Gültigkeit. Heute mehr denn je sind menschliche Interaktion und Empathie entscheidend – ebenso wie die Schülerinnen und Schüler anzuleiten, zu motivieren und ihnen eine individuelle Bildung mit der nötigen emotionalen Unterstützung zu bieten. All das spielt eine zentrale Rolle bei der Gestaltung bedeutsamer Lernerfahrungen, die über die bloße Wissensvermittlung hinausgehen.

Wie ChatGPT den Schulalltag bereichern kann

Nach allem Gesagten besteht kein Zweifel, dass ChatGPT ein äußerst wertvolles Instrument sein kann, um die pädagogischen Abläufe an Schulen zu stärken und den Lernenden neue Lernmöglichkeiten zu eröffnen. Einige Beispiele:

  • Individualisierter Unterricht: Künstliche Intelligenz kann lernen und sich mit der Zeit verbessern. Dadurch kann sie sich an das Verständnisniveau und den Lernstil jedes Einzelnen anpassen und personalisierte Lernmaterialien sowie gezielte Empfehlungen für den Lernprozess bereitstellen. Das eröffnet die Möglichkeit, das Bildungsniveau der Einrichtungen zu steigern.
  • Besseres Feedback: ChatGPT kann zudem individuelles, unmittelbares und detailliertes Feedback zu den Arbeiten jedes Einzelnen geben. So kann es als virtueller Tutor dienen, der den Lernenden hilft, Verbesserungspotenziale zu erkennen und ihr Verständnis der im Unterricht behandelten Inhalte zu festigen.
  • Vielfältigere Unterrichtsmaterialien: Ein weiterer großer Vorteil dieses Werkzeugs ist, dass es verschiedenste Unterrichtsmaterialien erstellen kann, etwa Lernleitfäden, Quizze, Zusammenfassungen, Aufsätze, Übungen und interaktive Aktivitäten – und so neuen Schwung in die Unterrichtsstrategien der Schulen bringt.

Schülerinnen und Schüler auf eine digitale Welt vorbereiten

Zusammenfassend ist künstliche Intelligenz eine Realität unserer heutigen Gesellschaft und als solche unvermeidlich. Deshalb ist es entscheidend, die Lernenden zu ihrer verantwortungsvollen und wirksamen Nutzung zu befähigen, damit sie ihre Vorteile optimal nutzen und mögliche Risiken minimieren können – und sie als wertvolles Werkzeug in den Unterrichtsalltag integriert werden kann.

Indem wir den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, sich im schulischen Umfeld mit dieser Technologie vertraut zu machen, bereichern wir nicht nur den Lehr- und Lernprozess, sondern bereiten sie auch darauf vor, sich in einer zunehmend digitalen Welt zurechtzufinden. Wir fördern Fähigkeiten, die für ihre Zukunft relevant sind und ihnen helfen, die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts erfolgreich zu meistern.

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